Kasernen auf dem Lechfeld

Das Lechfeld hatte aus militärischer Sicht schon immer eine besondere Bedeutung, war es doch im Laufe der Geschichte Schauplatz von Kriegen, Sammelplatz zu Kriegszügen und Leidtragender aufgrund durchziehender Truppen.
Vom Lechfeld als militärischer Standort kann erstmals 1835 gesprochen werden, als das Bayerische Kriegsministerium einen Truppenübungsplatz mit Artillerieschießplatz einrichtete. Durch Zukauf von Gelände der umliegenden Gemeinden (ab 1862) wurde er zum größten Truppenübungsplatz im Königreich Bayern mit bis zu 10 000 stationierten Soldaten. 1865 umfasste das Gelände über 5000 Tagwerk (Länge 7,5 km, Breite 3 km). Den größten Anteil hatte die Gemeinde Kleinaitingen. Zunächst hausten die Soldaten in Zelten, 1866 in fensterlosen Strohhütten, die man 1870 durch 120 gemauerte Baracken ersetzte. Der Ausbau des Standortes wurde nach dem Krieg 1870/71 vorangetrieben und existierte bis 1919.
Von 1914 bis 1933 diente das Gelände als Lager für Kriegsgefangene.
Am 22.01.1916 gründete man hier die Fliegerschule 4. Somit besteht seit über 90 Jahren ein militärischer Flugplatz auf dem Lechfeld. 1933 wurde der Flugplatz Lechfeld unter dem Tarnnamen "Höhenflugzentrale des des deutschen Wetterdienstes" reaktiviert. Im September 1944 zerstörten alliierte Bomber den Flugplatz. 1951 baute die US-Army wieder eine Startbahn, im Juni 1956 treffen die ersten Luftwaffensoldaten ein. Die ersten Flugzeuge des Jagdbomber-Geschwaders 32 vom Typ F-84-F "Thunderstreak" wurden am 22. Juli 1958 feierlich in Dienst gestellt. 1965 wurde auf den Starfighter F-104G umgerüstet, 1984 auf das Flugzeugmodell "Tornado" und 1991 auf den "ECR Tornado". Seit 2013 ist der regelmäßige Flugbetrieb eingestellt, Lechfeld-Mitte dient als Ausweichflugplatz (siehe unten).
Der Standort Lagerlechfeld gliedert sich heute in zwei Kasernen.

Einen Abriss der Geschichte des Standorts - im Besonderen seit 1956 - zeigt die Militärgeschichtliche Sammlung Lechfeld (MGS). Die Ausstellung ist jeden ersten Sonntag im Monat von 11 bis 17 Uhr geöffnet und über die Hauptwache der Lechfeldkaserne zu erreichen (Ausweis erforderlich). Gruppenbesuche an anderen Terminen nach Voranmeldung. Auf der Internetseite der MSG-Lechfeld erfahren Sie mehr. Eine E-Mail an die MGS können Sie hier senden.

Ulrichkaserne
(Lechfeld-Nord)

Die Ulrichkaserne - früher Lechfeld-Nord - ist die jüngste der ursprünglich drei Kasernen und liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Kleinaitingen im Ortsteil Lechfeld-Nord an der Abfahrt Oberottmarshausen der Bundesstraße 17 zwischen Augsburg und Landsberg. Sie wurde am 8.Oktober 1960 eingeweiht, ihren Namen erhielt sie am 10.7.64. Hier werden in der Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr und Fachschule der Bundeswehr für Informationstechnik bis zu 200 Offiziere zum staatlichen Elektrotechniker, Informationstechniker oder zum technischen Assistenten für Informatik ab 2011 ausgebildet.

Eine zweite Dienststelle mit ca. 130 Soldaten ist das Zentrum "Elektronischer Kampf - Fliegende Waffensysteme", bei der Anpassungen von systemspezifischen Einstellungen der elektronischen Selbstschutzausstattungen für die fliegenden Waffensysteme der Bundeswehr vorgenommen werden, um die Sicherheit der Flugzeugbesatzungen zu erhöhen. Sie wurde am 8. Oktober 1960 eingeweiht.

Auch befindet sich hier die Zentrale für den Katastrophenschutz durch Reservisten in Bayern.

Mit dem Namen Ulrichkaserne soll an den heiligen Bischof Ulrich von Augsburg erinnert werden, der 955 n. Chr. in der Schlacht auf dem Lechfeld siegreich gegen die Ungarn war.

Lagerlechfeld
(Lechfeld Mitte)
Tornado im Landeanflug

In Lechfeld-Mitte ist seit 1956 die II. Lehrgruppe der Technischen Schule der Luftwaffe 1 (II./TSLw1) untergebracht. Die Leitung der Schule ist nunmehr in Kaufbeuren.
Lechfeld Mitte (siehe oben) gilt als wichtiger NATO-Flugplatz und gehört zu den Gemeinden Graben, Kleinaitingen und Klosterlechfeld und war bis Frühjahr 2013 die Heimat des Jabogeschwaders 32 mit zwei Fliegerstaffeln und insgesamt 45 Tornados, davon 33 mit ECR-Ausstattung. ECR = Electronic Combat and Reconnicance (Elektronischer Kampf und Aufklärung). Die ECR-Tornados waren erfolgreich in der Bekämpfung der Flugabwehr im Krieg im Kosovo und Afghanistan eingesetzt. Der Flugplatz ist Ausweichplatz für die in Neuburg/ Donau stationierte Eurofighter-Staffel (EF Typhoon) des Luftwaffengeschwaders 74 und für die NATO.

Schwabstadl-Kaserne
(Lechfeld Süd)

Das Jabo-Geschwader wurde nach Lechfeld-Mitte verlegt, die Schwabstadlkaserne auf dem Gemeindegebiet Klosterlechfeld aufgelöst und abgerissen.

 
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