Das Lechfeld bei Kleinaitingen war schon vor über 3300 Jahren
eine
europäische Drehscheibe


Kleinaitingen ist in der Bronzezeit ein wichtiger Siedlungsort nicht nur im Landkreis Augsburg
Karte
im Archäölogischen Museum in Königsbrunn
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Man kann anhand der Funde im Lechtal folgende Perioden unterscheiden:

1. Dass schon im 24. bis 22. Jhd. vor Chr. (Kupfer- /Frühbronzezeit) zwischen Wertach und Lech Menschen lebten, zeigt der Fund eines einzelnen Brandgrabes der sog. "Glockenbecherleute" im süd-westlichen Grabungsbereich. Sie sind in Hockerstellung begraben, mit dem Gesicht nach Osten weisend. 322 Gräber fand man bisher in Friedhöfen entlang des Lechs.

Glockenbecher im Archäölogischen Museum in Königsbrunn

2 a). Weiter fand man im östl. Bereich des Grabungsfeldes aus der frühen Mittelbronzezeit ( 18. - 17. Jhd. vor Chr.) eine Nekroppole (= Friedhof) mit 30 Körpergräbern, in denen die Toten meist in Seiten- und Rückenlage mit angelegten Armen beigesetzt waren. In einem Grab fand sich ein viernietiger Dolch mit trapezförmger Griffplatte.

2 b). In der späten Bronzezeit (ca. 1300 - 800 v. Chr.) wurden die Toten zunächst verbrannt und die Überreste in Gruben bis 3,8 m Länge dann bestattet. Aufgrund der reichen Grabbeigaben in diesem westlich gelegenen Brandgräberfeld (Keramikgefäße, bronzene Messer, goldene Drahtringe, punziertes Goldblech, Sonnenscheiben) kann man annehmen, dass es Fürstengräber aus der Bronzezeit sind. In einem der Gräber lag ein 3000 Jahre altes zerbrochenes

Bronzeschwert mit massiv gegossenem Griff Typ Rieggsee (bei Murnau). In einem anderen u.a. eine getriebene Bronzetasse mit angenietetem Henkel. Als Sensation kann der Fund von über 220 Einzelzteilen angesehen werden, die als Beschläge für einen 4-rädrigen Wagen oder als Pferdegeschirr dienten. Ein solcher Wagen wurde nur weitere zweimal in Deutschland gefunden. Wagenmodell im Archäölogischen Museum in Königsbrunn

3. Ein älteres südlich gefundenes Urnengräberfeld (ca. 1000 vor Chr.) ist von Siedlungsspuren umgeben und zeigte reiche Gold- und Silberfunde, Nadeln, Fingerringe, schwere Armringe, Anhänger, Bernstein und Glasperlen. Das Grab einer sehr wohlhabenben Frau (ca. 1200 v. Chr.) war von neun kleineren Tongefäßen umgeben, in denen sich Bronzenadeln, Arm- und Beinringe, Halsreifen, Ringanhänger, 8 punzierte Goldblechscheiben (sog. Sonnenscheiben) und Messer fanden.Urnengrab

Die Funde sind nicht nur lokal von Bedeutung: "Hier lebten Eliten, die in Kontakt standen zu anderen - man würde heute sagen auf europäischer Ebene" (Dr. Wirth). "Die Dinge erzählen vom Reichtum einer privilegierten Bevolkerungsgruppe, die mit anderen Eliten der Epoche in Kontakt stand, vermutlich auch einen regen Handel oder Austausch betrieb" (R. Linke). Sie hatten Handelsbeziehungen zwischen dem Pariser Becken und Ungarn, über halb Europa.

Der Archälog. Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Heimatverein des Landkreises Augsburg mit Rainer Linke und Siglinde Matysik, sowie Archäologie- Studenten aus Dijon (Fr.) mit Professor Dr. Stefan Wirth und das Landesamt für Denkmalpflege haben die Funde gesichert, die nun teilweise im Archäölogischen Museum in Königsbrunn ausgestellt sind.

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